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Innerlich zerbrechen

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Innerlich zerbrechen

Es ist einfach ein Überhören.
Ein Nichts – von einer Grösse eines Sandkorns. Eigentlich von blossem Auge nicht erkennbar.
Ein Witz. Und Du belächelst Dich eigentlich selbst, dass Du überhaupt auf sowas reagierst.


Du sagst Dir Dinge wie „eigentlich war ja nix, das wird schon“ oder „war nicht so gemeint“. Du übergehst es, nimmst es nicht ernst. Du gibst dem kein Gewicht. Und trotzdem war da ein Stich. Ein irgendetwas, welches Dir nachts auf dem Klo immer noch im Kopf rumspringt.

Nach einigen unbeschwerten Wochen ist dieses Sandkorn eigentlich verschwunden – Du kannst Dich auch gar nicht mehr daran erinnern. Es ist einfach weg, weil eigentlich alles „wieder gut ist“.
Der Nachrichtensprecher erzählt irgendwas von einem Erdbeben am anderen Ende der Welt, das heisse Pasta Wasser kocht fast über und an der Haustüre klingelts. Hundegebell. „Mama es gibt kein Klopapier“ – schreits aus dem Gästebad.

Du kriegst eins nach dem anderen geregelt. Pasta Wasser runter, Haustüre auf, 2.Kind begrüssen, TV aus, Klo Papier her.

Atmen. Ganz tief Atmen. Solche Momente sind es die Dich Kraft kosten, die Du eigentlich nicht mehr hast. Die leeren Zeilen auf Deinem Handy fühlen sich wie Zentner schwere Steine an, die Du seit Monaten neben all den anderen Dingen rumschleppst.

Es ist Freitagabend, da kommt nix mehr. Family Weekend. Seine letzte Nachricht war gestern. Ein Daumenhoch Emoji. Klasse Antwort. Diese Momente bringen Dich in einen inneren Zwiespalt, ja eine Mischung zwischen „Du-kannst-mich-mal und „uff-was-hab-ich-denn-jetzt-schon-wieder-verbockt?
Dein Inneres schwankt zwischen den beiden hin und her.
Du hast Dir eigentlich geschworen, zu Dir zu stehen und nicht jedes Mal gleich auf solche Kleinigkeiten anzuspringen oder betupft zu sein. „Steh Deine Frau“, sagts im Kopf. „Ich kann nicht mehr“, sagts im Herz. Du entschiedest Dich für das „Du-kannst-mich-mal“ und tust so, als würde es Dich kalt lassen. Dein Herz schreit – aber diesen Schrei schiebst Du ganz sanft weg, runter in den Bauch und legst den Deckel der Dir die „Du-kannst-mich-mal-Haltung in die Hand streckt sanft, aber bestimmt drüber.
Du schüttest die Pasta ins Sieb. Der Dampf vernebelt Dein Blick.

„Sorry, Parmesan ist alle“ – und irgendwie ertappst Du Dich gerade selbst, hier, das Sandkorn meldet sich, heute mal alias „das schlechtes Gewissen“.
Jetzt arbeitest du „nur“ 80% und bringst es nicht fertig, Parmesan einzukaufen. Das ist Dein erster Gedanke OHNE, dass irgendjemand beim Essen den Parmesan vermisst. Dein schlechtes Gewissen, „es“ nicht perfekt hingekriegt zu haben. Es ist dieses „ich genüge nicht“, dass Dich schon immer begleitet hat, dass Dich in solchen lapidaren Situationen emotional in die Knie zwingt.

„Immer ist was, immer vergisst Du etwas, irgendwas stimmt einfach nicht mit Dir Helena“ sind Sätze, die Du Dir immer sagst, so ganz nebenbei halt.
Tief in Dir drin vermisst Du ein, „nimm mich in den Arm und sag mir es wird alles gut“ – dies zu äussern wäre ein Eingeständnis an Deine Schwäche. Wo Du vorhin gerade die Kannst-mir-mal-Haltung angenommen hast wird’s jetzt grad echt schwer im Kopf, einen Schwenker hinzulegen. Also hebst Du Deinen inneren Deckel hoch und schiebst das „nimm mich in den Arm und sag mir es wird alles gut“ zum Schrei hinzu.

Du denkst immer wieder die gleichen Gedanken.
„Ich muss mir einen Plan ausdenken, wie ich das hinkriege“
„Ich muss ein Buch lesen“
„Ich muss etwas verändern“
„Irgendwas stimmt einfach nicht mir“
„Warum krieg ich eigentlich nicht mal was auf anständig auf die Reihe“
Was ist, wenn ich ihm irgendwann nicht genüge“
„Wann sehen wir uns wohl wieder“
„Was ist, wenn wir uns nicht wirklich verstehen“
„Was ist, wenn ich ihm sage, dass ich so nicht mehr will, ich meine „find ich denn noch einen und wenn ja, wo stecken sie denn, die großartigen Single Männer“

Die grossartigen Single Männer sind es nicht, die Helena wirklich sucht. Gut, okay, sicherlich, nach einer gescheiterten Ehe und etlichen Fehlversuchen eine gesunde Beziehung zu führen, Kinder, Haushalt und Job unter einen Hut zu bringen, wäre eine bereichernde Beziehung mit einem grossartigen Mann sicherlich nicht schlecht.

Aber was Helena wirklich sucht ist IHREN SELBSTWERT, IHRE SELBSTLIEBE.
Die beiden hat sie entweder nie kennengelernt noch wurden sie ihr vorgestellt. Selbstwert & Selbstliebe sind und waren immer eine grosse dunstige Wolke für Helena.
Mal abgesehen davon, dass Helena für ihr Alter eine tolle Figur hat (was immer das für einen bedeutet) sich mit ihren 47 absolut sehen lassen kann – ist sie unsicher.
Helena ist derart bedacht, dass im Aussen niemand bemerkt, wie schlecht es ihr wirklich geht, dass sie sich und ihre innere Freundin (so nennt sie ihre innere Stimme) völlig vernachlässigt. Sie hört schon gar nicht mehr was sie sagt.

Sie ist mit dem Leben im Aussen befreundet, macht, was es von ihr verlangt. Eigentlich ist es Helena egal, was verlangt wird, Hauptsache sie wird gehört, gesehen, geliebt und sich fühlt sich angenommen. Dazugehören will sie. Der Preis dafür bezahlt sie mit Schuppenflechten, Anginas, Gürtelrosen und noch so einigen anderen körperlichen Beschwerden – die, aber im Aussen nicht sichtbar sind. Ergo, im Aussen scheint Helena eine tolle Frau zu sein, die weiss Gott ihr Leben im Griff hat. Eine Powerkanone.
Der Schein trügt. Mächtig.
Nix im Griff hat sie.

Als Helena mich kennengelernt hat, haben wir 2 Dinge verändert.
Wir haben den Druck, denn sie sich selbst gemacht analysiert, haben ihm einen Namen gegeben und sie behandelt ihn als wäre er ihr Angestellter.
Druck erzeugt Gegendruck, wenn Du dir also immer wieder Druck machst, mit Dingen die Du jetzt – hier und heute – nicht ändern kann, schick den Druck nach Hause, die Arbeit, die er macht, kann warten.
So wie der Staub auf dem Bücherregal. Der wartet auch geduldig.
Das andere was ich Helena auf den Weg mitgab, war ein leeres Notizbuch.
Jeden Tag (yep, das kannst Du auch auf dem Klo, Nachts, Du weisst schon 😉) schreibt Helena 3 Sätze auf.

Die Sätze sind kurz prägnant und absolut einfach.
z.b.
Du hast an den Parmesan gedacht.
Du hast „Nein“ gesagt, ohne Dich zu rechtfertigen.
Du hast Dein Wort gehalten.



Mach diese Übung für Dich. Halt Dein Versprechen an Dich und Du wirst spüren, wie Dein Selbstwert nach und nach beständiger wird.
Er wird langsam, aber stetig wachsen. Kein Feuerwerk, Nein, aber eine stetige Flamme, mit guter Glut für ein wärmendes und langes Feuer in Dir. 

Nach dem 3 Monatscoaching war Helena frisch verliebt in einen Mann – und in sich selbst. 

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